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17. März 2026 um 17:36 Uhr #4786

AnnöSpielerKanyo hatte nichts bestimmtes erwartet, doch er war trotzdem überrascht alles Meren eher mit Überwältigung reagiert als mit Freude, zumindest für einen Moment. Doch dann sagte sie es selbst, sie hatte lange auf diesen Augenblick gehofft, und jetzt da er da war… das war viel. Ja, das war es wohl, dachte der Ältere, und bedeutete seinem Diener, noch einen Becher zu bringen. Dieser stellte ihn auf den Tisch, und goß Meren dann ein, bevor er den Becher zu ihr schob und zu seinem unaufdringlichen Platz zurückkehrte.
Sie war immer noch haltlos, dachte Kanyo. Nicht mehr so unkontrolliert stürzend, aber recht haltlos, und sie bat ihn zu sagen, wofür er sie brauchen könnte. Nun, das war einfach. Einen Moment schwieg er, eher um Meren Zeit zu geben sich zu sammeln, bevor er antwortete.
„Nun, du hast eine ganze Reihe bemerkenswerter Fähigkeiten bewiesen, als du aus dem Gefängnis entkamst, Sangye befreitest und als unser Spion für den Palast agiert hast, Meren. Auch das du in der Lage warst den Lehrer deines Bruder aufzuspüren… Informationsbeschaffung in der Stadt ist etwas, das ich immer brauchen kann, doch es ist auch eine belastende und gefährliche Aufgabe. Darum wollte ich sie jetzt eigentlich nicht benennen. Du würdest direkt für mich arbeiten, unter einer Verschwiegenheit die sich auf alle erstreckt außer mich. Die genau Natur der Aufgaben hängt dann davon ab was gebraucht wird aber… ja soetwas in der Richtung.“.
Er nippte an seinem Wasser und dachte nach. „Und das ist nicht das einzige, was mir einfallen würde, aber das vordergründigste. Es wäre auch eine Aufgabe, wo ich mich ganz auf deine Loyalität verlassen muss, und darauf, dass du mit mir teilst wenn diese aus irgendeinem Grund belastet werden könnte.“. Seine Augen lagen ruhig und freundlich auf ihr, wissend das sie sicher verstand, was er ihr sagte.
16. März 2026 um 20:43 Uhr #4784
AnnöSpielerMerens Wunsch war denkbar simpel, sehr viel simpler als Kanyo irgendwo unterbewusst erwartet hatte. Sie wollte arbeiten und einen eigenen Lebensunterhalt verdienen. Stimmt, dachte er, sie hatte wohl immer bei ihrer Mutter in der Schule gelebt, bis die Flucht kam… und als diese Konsequenzen zog aus der Vergangenheit und die Schüler freisprach, hatte sie das stark bewegt, auch aufgewühlt. Und jetzt wollte sie einen Neuanfang. Das freute Kanyo außerordentlich, war es doch so viel besser als den Wunsch, den sie noch vor Monaten immer wieder an ihn herangetragen hatte.
„Das ist ein schöner Wunsch, den ich sehr unterstütze, Meren.“, erwiderte er und ein warmes Lächeln lag in seinen Augen und seiner Stimme. „Ich werde nach unserem Treffen die Anweisung herausgeben, dass die Beschränkung deiner Bewegungsfreiheit aufgehoben ist. Bitte gib dem Befehl noch bis heute Abend Zeit, dass er auch alle Instanzen erreicht, denn der Palast ist groß, aber dann… dann kannst du wieder kommen und gehen wie du möchtest, und arbeiten auf die Art, wie du es willst. Im Prinzip gibt es nur eine einzige Beschränkung, die im Krieg wurzelt, und nicht in Taten der Vergangenheit oder dergleichen: Ich möchte dich bitten, bis auf weiteres wie alle anderen, die mit der Königlichen Familie verwandt sind – oder sein werden – deinen Wohnort bis auf weiteres im innersten Ring zu belassen. Du verstehst sicher wieso…“. Da war Kanyo sich sicher, Meren war ein schlauer Kopf.
„Und was die Arbeit betrifft… ich habe ja gesagt, ich hätte an mehr als einer Stelle Arbeit für eine Frau mit deinen Fähigkeiten. Allerdings… habe ich den Eindruck, dass du lieber etwas ganz Eigenes tun möchtest, für den Moment?“. Er schwieg abwartend, den warmen Ausdruck noch immer auf seinen Zügen, denn er hatte keinerlei Erwartung an die Antwort in eine bestimmte Richtung.
15. März 2026 um 11:13 Uhr #4782
AnnöSpielerKanyo schwieg und hörte genau zu. Meren begann zögerlich, und am Anfang scheinbar etwas konfus, doch je mehr sie sprach, desto mehr offenbarte sich, worum es ging. Sie brauchte Zeit, ihre innere Anspannung war offensichtlich und gemahnte Kanyo zu noch mehr Ruhe und Konzentration, denn das hier war wichtig. Feilan hatte wohl wie es klang angeboten sie mit auf den Markt zu nehmen, etwas, das Meren nach aktuellen Regeln nicht durfte, aber wohl gerne wollte. Und diese Frage hatte zu anderen Fragen geführt, nachvollziehbaren Fragen.
Der König nickte langsam, schwieg noch einen Moment, um abzuwarten ob die junge Frau noch etwas hinzufügen wollte, doch schließlich schwieg sie und sah ihn in einer Art an die klar machte, dass sie auf eine Antwort wartete. Dann ordnete er kurz seine Gedanken, denn sie hatte mehrere Themen angesprochen, und beschloss schließlich, am Anfang anzufangen.
„Ich verstehe, denke ich.“, erwiderte er langsam, ruhig. „Und ich bin froh, dass du das Gespräch mit mir suchst, Meren. Um am Anfang zu beginnen, bei deiner ersten Frage… der Zweck deiner Gefangenschaft war immer, dich zu schützen, Meren.“. Er sah sie an und auch sein Blick war ruhig, nicht urteilend, und zugewandt. „Als ich das entschied, warst du erst einige Tage verschwunden gewesen, tauchtest dann in der uns beiden bekannten Situation auf, instrumentalisiert von einem mir Unbekannten mit offensichtlich unlauteren Absichten dir gegenüber, so wirkte es auf mich… du warst emotional verletzt, aufgewühlt, und ich hatte Sorge, dass du zu diesem Mann zurückkehren und er dich weiter ausnutzen wird. Das ist tatsächlich der Hauptgrund, warum ich dich festsetzte. Ich hoffte, es würde dir Zeit und Möglichkeit geben, Stabilität wiederzufinden…“.
Er schwieg einen Moment, dachte nach. Ja, das war seine ursprüngliche Absicht, doch jetzt war einiges an Zeit vergangen, und Meren hatte sich sichtlich verändert. Ein Umstand, über den Kanyo sehr froh war und dankbar.
„Jetzt“, fuhr er fort. „Ist die Situation offensichtlich eine ganz andere, und damit ist es nur richtig alles zu hinterfragen und zu überdenken. Denn es ist NICHT meine Absicht, dich dein ganzes Leben einzusperren, das wäre äußerst grausam dir gegenüber. Offengestanden habe ich auf den Moment gewartet, an dem sich mir signalisiert, dass du eine Veränderung willst, und das tust du durch dieses Gespräch und deine Anwesenheit hier.“. Er lächelte fein. „Es freut mich, dass du den Wunsch hast, hier zu bleiben, und ich habe es gehofft, dass du dich so entscheidest, zum einen, weil ich deine Fähigkeiten sehr schätze und offengestanden in meinen Diensten gut gebrauchen könnte, aber vor allem weil du Teil der Familie bist und ich dich sehr schätze, Meren.“.
Seine dunkeln Augen betrachteten sie einen Moment. „Hast du denn schon eine Idee, was du tun möchtest?“, fragte er.
14. März 2026 um 21:51 Uhr #4780
AnnöSpielerKanyo hörte, wie jemand eintrat, und drehte den Kopf. Da war Meren, welche vor ihn trat und sich verneigte, während der Diener die Tür schloss und sich in eine Ecke des Raumes zurück zog. Sofort vielen dem König die bandagierten Hände auf, doch er kommentierte es erst einmal nicht. Feilan hatte mit Meren zu tun gehabt, und die Verbände sahen geschickt aus. Jemand hatte sich das angesehen. Nein, er würde lieber erst einmal nah am Anliegen bleiben – was in seinem Fall war zu hören was Meren ihm mitteilen wollte – und alles andere hintenanstellen.
„Natürlich Meren.“, erwiderte er mit einem Kopfnicken und deutete auf einen Stuhl, der über die Tischecke zu seiner linken stand. „Setz dich doch.“, forderte er sie auf, denn sie so haltlos im Raum stehen lassen, das wäre nicht höflich oder angenehm. Er hatte ihnen über eine Stunde verschaffen können, und er hoffte dass das reichte, und all die Zeit zu stehen wäre sicher anstrengend.
Sein Blick streifte noch einmal das Papier vor sich, bevor er zu Meren aufschaute. Sie wirkte nervös. Ja, es war vielleicht wirklich besser direkt zum Punkt zu kommen, dachte er bei sich. Geplänkel konnte man immer noch hinterher austauschen. Seine Augen erwiderten Merens Blick mit der ihm innewohnenden erdigen Ruhe. „Feilan sagte mir, dass du mit mir sprechen möchtest, Meren. Wir haben jetzt eine Stunde Zeit dafür, also wenn du bereit bist dafür, könntest du direkt anfangen damit, was dir auf dem Herzen liegt.“. Damit wollte er ausdrücken, das er ihr Anliegen voran stellte, damit sie auch genug Zeit hatten, und er hoffte sie fasste es auch so auf, und weniger als Abfertigung, denn das war es nicht.
14. März 2026 um 21:11 Uhr #4778
AnnöSpielerSeufzend saß Kanyo einen Moment an dem alten, großen polierten Holztisch, der schon seinem Vater und dessen Vater für Beratungen gedient hatte. Viel hatte sich nicht bewegt an diesem Morgen. Ganz wie die Front war auch die innenpolitische Situation etwas festgefahren. Es gab wachsende Gezanke um Ressourcen, denn sie mussten sich natürlich bereits auf den nächsten Winter vorbereiten, der trotz allem was sie zurückgewonnen hatten wieder problematisch werden würde, gefährlich wenn sie nicht vorsichtig waren. Dazu noch ein paar nach wie vor beleidigte Gemüte über die Verlobung der Prinzessin mit einem Mann von bürgerlichem Stand, auch wenn niemand es mehr wagte laut etwas zu sagen, auch nicht hinter seinem Rücken, soweit Kanyo mitbekommen hatte. Doch es gab andere Formen der Missbilligung, wie die Zusammenarbeit zu verlangsamen, oder auch für wichtige Entscheidungen erkrankt zu sein.
Aber das würde sich beruhigen, das wusste der König. Es gab genug anderes, wirklich wichtiges, das sie beschäftigen würde, immer härter, je näher der Winter kam. Und bald würden sie froh sein, Yoshu in ihren Reihen zu haben, davon war Kanyo überzeugt, denn der noch so junge Hauptmann war überaus kompetent.
Durchatmend trank Kanyo etwas Wasser aus seinem Becher und warf einen kurzen Blick auf eines der Papiere vor sich, auf dem er knapp den Ablauf des Vormittages notiert hatte. Jetzt… traf er Meren. Ja, natürlich, dachte er und wurde wieder etwas wacher. Gestern, zu seiner überaus großen Überraschung, hatte Feilan mit ihm sprechen wollen. Dieses Ereignis war so selten wie wünschenswert, besonders seit Yuans Tod, und so hatte er ihr fast sofort eine Audienz gewährt. Das Thema selbiger hatte ihn dann noch mehr überrascht: Meren wollte mit ihm sprechen, über ihre Zukunft. Und Feilan hatte es übernommen diese Botschaft zu überbringen. Der König konnte sich nicht entscheiden was ihn mehr freute, Feilans oder Merens Initiative. Sie hatte… besser ausgesehen, die Witwe seines Bruders. Nicht wie früher, aber das war auch nicht zu erwarten, war vielleicht nie wieder zu erwarten. Doch besser. Sie hatte etwas Farbe im Gesicht gehabt und eine Präsenz in ihrem Blick die anders gewesen war als der stumpfe Ausdruck von Schmerz und Trauer. Und sie hatte sich interessiert, für Meren, so sehr, dass sie sogar aktiv geworden war. Das allein hatte Kanyos Herz bereits sehr erfreut.
Was das Gespräch mit Meren selbst betraf… er freute sich ebenso, dass die junge Frau offenbar ein Anliegen hatte, das ihre Zukunft betraf, doch er war nicht ganz frei von Sorge. Dieser Fall war für ihn bisher einer der schwierigsten gewesen, die er jemals handhaben musste, und er hatte viele Fehler gemacht, viele mehr als er es gewohnt war.
Doch er würde sich nicht jetzt schon beunruhigen über Dinge die noch gar nicht passiert waren, brachte er sich dann etwas zur Ruhe. Er würde sie jetzt empfangen, er würde sich anhören was sie sagte, sich mit ihr austauschen, bedenken… Die Situation stand nicht mehr unter so viel Druck wie zu der Zeit, als es Meren so schlecht ging. Es würde schon werden, dachte er, nickte wie zu sich selbst, bevor er den Blick hob und den Diener fand, der am Rand des Saals bereit stand, falls er etwas brauchte. „Meren soll hereinkommen.“, wies er an, schob dann die Papiere zusammen und wartete, dass sie kam. Es würde schon werden.
4. Februar 2026 um 17:06 Uhr #4775
AnnöSpielerNilith rutschte ein wenig beiseite, damit Yara Platz hatte zum Tisch zu kommen, sich etwas von dem Eintopf zu nehmen und sich zu setzen. Sie hatte in der Zwischenzeit versuchte, alle von Wölkchens kleinen Beinchen und Pfötchen anzuschauen, denn sie waren das fragilste an dem kleinen Tier. Das war jedoch nicht so leicht, weil es immer wieder versuchte, seinen Kopf an ihren Händen zu reiben. Also beobachtete sie so gut sie konnte, wie sich die Beine bewegten, und da sah alles in Ordnung aus. Nun, Wölkchen hatte schon überstanden von Imir überrannt zu werden. Da überlebte sie auch einen kleinen Stolperer, wenn auch nur mit großer Dramatik.
Gerade als Nilith fertig war die Raupenkatze zu untersuchen, floppte Wölkchen sich endlich auf den Rücken und hielt spielerisch ihre Hand fest, bevor sie ganz eindeutig den Bauch gekrault bekommen wollte. Nilith rutschte sich etwas bequemer in ihre Hocke und kam dem nach. Das war ja nur recht, um ihre Missetat wieder gut zu machen. Als Yara sie ansprach schaute sie auf, ohne mit dem Kraulen aufzuhören.
„Ich denke es ist alles in Ordnung. Sie ist mir im Dunkeln zwischen die Beine gelaufen und ich habe sie getreten, aber sie hat nichts abbekommen, zumindest nicht körperlich.“. Sie lächelte kurz ein ganz kleines Lächeln und sah dann wieder zu Wölkchen, kraulte sie ein bisschen intensiver. Ihre Bewegungen wurden bereits langsamer. Bauchkraulen machte sie meistens schläfrig. Es vergingen einige Momente die nur gefüllt waren mit Wölkchen Schnurren. Dann plötzlich kam sie wieder auf die Pfoten und machte einen kleinen Satz, um auf Niliths Schoß zu klettern und von da sehr entschlossen auf ihren Arm. Die Erdbändigerin nahm sie richtig hoch, und Wölkchen vergrub ihr kleines weißes Gesicht in Niliths Armbeuge, kuschelte sich auf den Arm, und seufzte leise. Vorsichtig kam sie also wieder auf die Füße, wissend, dass die Raupenkatze jetzt schlafen würde. Und naja… jetzt wo ihr Magen gefüllt war spürte Nilith ebenfalls den nächsten Anfall von Müdigkeit, wenn auch nicht mehr so bleiern und heftig wie zuvor.
Sie sah zum Hauptmann. „Ich… bin jetzt nicht mehr hungrig Meister Yoshu. Wenn Ihr nichts weiter von mir braucht, denke ich, würde ich wieder nach oben gehen und mich hinlegen.“, erklärte sie. Etwas in ihr bedauerte ein wenig, dass dieser so… nahe Moment vorbei war, aber ein wenig war sie auch froh. Da war schon wieder so viel passiert… im Moment kam ihr jeder Tag vor wie eine Woche.
4. Februar 2026 um 8:39 Uhr #4773
AnnöSpielerNilith merkte eine Veränderung im Tonfall und Ausdruck des Hauptmanns, doch bevor sie das einordnen konnte, waren zwei Stimmen von der Tür her zu hören: Wölkchens klagendes Miauen und Yaras leise freundliche Antwort. Es dauerte nur einen Moment, bis die beiden die nächtlichen Küchenbesucher fanden. Wölkchen drückte sich natürlich zuerst durch den Spalt der halboffenen Tür, und Yara musste warten bis sie damit fertig war, bevor sie die Tür gefahrlos öffnen konnte. Blinzelnd schaute das kleine weiße Gesichtchen zu ihnen auf, vom einen zum anderen, bevor sie sich hinsetzte und ein kleines niedliches Miau machte, ganz offensichtlich die unschuldige und verletzliche Kreatur, die sie eben war.
Nilith schaute zum Yoshu. „Ich habe sie vorhin schon sehr mit dem Fuß getroffen, auch wenn es keine Absicht war. Ich würde gerne kurz schauen das sie auch wirklich nichts hat, wenn Ihr erlaubt…“. Der Meister nickte einfach kurz und Nilith rutschte vom Stuhl, kniete sich zu Wölkchen auf den Boden, welche sofort aufstand und ihr ein bisschen entgegen kam. „Na?“, murmelte Nilith. „Hab ich dich vorhin getreten? Das tut mir Leid. Zeig mal deine Beinchen, mh, ob sie alle noch gut laufen.“. Und so war die Bändigerin einen Moment beschäftigt mit dem Haustier, welches sie auserwählt hatte.
Yara musste in ihrem breiten, sommersprossigen Gesicht kurz Lächeln, bevor sie zu Yoshu sah. „Hauptmann.“, grüßte sie ihn mit einem Neigen des Kopfes. „Ich hab mich beim Reinkommen schon gefragt warum es hier plötzlich so gut riecht, aber jetzt sehe ich woher das kommt. Ihr habt nicht zufällig noch eine Portion für die Nachtwache übrig?“. Da wäre sie nicht abgeneigt, sie war schon einige Zeit auf den Beinen und konnte etwas vertragen.
3. Februar 2026 um 18:06 Uhr #4771
AnnöSpielerJetzt war es an Nilith, zuzuhören. Über die Offizierin konnte Meister Yoshu nichts sagen, doch das war auch nur richtig. Nilith würde sie nicht fragen, aber sie konnte seine Antwort hören, zu seinen Bewegründen. Und das waren viele. Die Pflicht, die er schon einmal erwähnt hatte, und die Nilith auch einfach als die Verantwortung verstand, die er für seine Entscheidung übernehmen wollte, auch wenn sie nicht behaupten konnte dass sie vollkommen nachvollzog wieso. Er schuldete ihr weniger als nichts aber… sie konnte einfach akzeptieren, dass er es so begründete.
Doch er sagte noch viel mehr als das, und das in sehr schneller Folge. Das sie nicht für die Verbrechen eines anderen leiden sollte, darauf Bezug nehmend, dass sie nur auf den Befehl ihres alten Herren gehandelt hatte und nicht von sich aus. Das allein berührte sie bereits, denn sie glaubte nicht, dass viele andere das so gesehen hätten. Doch es kam noch mehr. Eine wichtige Stütze in Bezug auf seine Erinnerung? Niliths Stirn runzelte sich leicht, das nicht ganz begreifend, und dann sagte er, das er sie schätzte. Ihr Blick senkte sich rasch, in einem Ausdruck von Zurückhaltung. Er schätzte und respektierte sie, sagte er. Sie wusste nicht, was sie darüber denken oder sagen sollte. Doch glücklicherweise musste sie das auch nicht denn er sprach noch weiter.
Menschen, die ohne Schuld oder Verdienst gebunden waren… das Stirnrunzeln wurde etwas tiefer. Ja, Meren hatte mal erwähnt, dass sie niemals hatte kämpfen wollen, und trotzdem hatte sie diesen Weg eingeschlagen und war so gut geworden… sie waren beide hineingeboren in das, was ihr Leben gewesen war. Hatte Meren nicht irgendwann einmal gesagt, das sie Nilith so gut verstand? Vielleicht lag es daran, ja… Das hieß der Meister wünschte sich, das sie mehr Möglichkeiten hatte? Nilith war sich nicht sicher, ob sie noch mehr Möglichkeiten brauchte. Wenn sie jetzt wirklich keine Angst mehr haben musste, dass der Lotus sie holte, ihren Rücken nicht mehr verstecken musste, dann konnte sie… in ein Badehaus gehen, wie sie als Kind vor langer Zeit einmal fantasiert hatte, als sie noch ein paar Träume übrig gehabt hatte, die man ihr nicht mit harter Arbeit und Strafe ausgetrieben hatte. Das war so viel, viel mehr als sie fassen konnte. Nein, dachte sie, sie brauchte nicht mehr. Aber wenn es sein Wunsch war dann… würde sie trotzdem darüber nachdenken, korrigierte sie sich dann. Sie entschied das nicht. Er sagte er wünschte sich, dass sie das bestmögliche aus ihrem Leben machte, was auch immer das war, also sollte sie sich schon auch darum bemühen! Das war das mindeste, was sie tun konnte, seine Wünsche respektieren, um seine Großzügigkeit irgendwie erwidern zu können.
Einen Moment wusste Nilith nicht, was sie sagen sollte. Es war jetzt alles wieder viel, merkte sie, so viel, das sie sich schon wieder ganz müde fühlte. Aber gleichzeitig wollte sie diesen Augenblick noch nicht beenden. Sie… hatte noch nie ein solches Gespräch mit einem Herren geführt. Vielleicht überhaupt noch nie. Und ja es war… eigentlich ganz schön, dachte sie schüchtern, in einem sehr verborgenen Teil ihrer Selbst. Es fühlte sich schön an. „Danke, dass es Euch kümmert.“, sagte sie leise, einem plötzlichen Impuls folgend, und sah wieder zu ihm. Da war ein Gefühl in ihrer Miene, und Stimme, dass sie selber nicht beschreiben konnte, aber es war da, anders als das, was sie sonst zeigte. Weicher. Nahbarer. „Besonders die Kinder haben die Chance, noch einmal völlig neue Menschen zu werden… das ist ein großes Geschenk. Und ich… darf noch einmal etwas anderes tun als… was ich getan habe. Das macht mich sehr froh.“. Sie brachte es gerade nicht über sich, es ganz auszusprechen, was sie getan hatte. Aber er wusste es ja. Er wusste es. Ihr Blick wurde etwas fester. „Und wenn ich Euch eine Stütze sein kann, dann stützt Euch auf mich, Meister Yoshu.“, fügte sie noch an. „Ich werde nicht wanken.“. Das war das Versprechen, das sie geben konnte, das erste Mal, das sie eins gab, mit einer Stimme, die etwas galt. Es war ein seltsames Gefühl, doch auch… ja irgendwie mächtig.
3. Februar 2026 um 16:53 Uhr #4769
AnnöSpielerIhnen ein bestmögliches Leben bieten… Nilith hoffte, dass das möglich war. Selbst sie konnte sich nicht ganz hineinversetzen wie es sein musste, mit allem was diese Menschen erlebt hatten von jetzt auf gleich aus dem Bordell gerissen worden zu sein. Sie fand schon ihren Weg recht überwältigend, und für sie hatte es in gewisser Weise Zwischenschritte gegeben.
Als der Meister dann erklärte, warum er ihren Dienst damals abgelehnt hatte, war ihr erster Impuls den Kopf einfach zu senken und zu sagen, sie hatte verstanden. Doch es… fühlte sich überraschend falsch an, der Gedanke, das zu tun. Es war ihm wichtig, ihr das zu sagen, dass er nicht sie abgelehnt hatte, sondern ihre Gründe, auch wenn es für ihr Gefühl damals nichts geändert hätte.
„Ich… verstehe was Ihr mir sagen wollte, denke ich.“, antwortete sie nach einem kurzen Zögern etwas zurückhaltend, doch eben nicht ihrem inneren Programm folgend, das immer noch irgendwo hintergründig an ihr zerrte. Doch gerade war es leichter als sonst, dem zu widerstehen. „Eure Schwester sagte mir damals, dass Ihr generell keine Diener haben wollt. Darum war ich so überrascht, als ihr es doch angeboten habt, und dachte, irgendein menschliches Verpflichtungsgefühl hat Euch dazu bewegt…“. Das er keine Diener wollte, würde sich doch ein wenig beißen mit dem Weg, den erdabei war in seinem Leben einzuschlagen, dachte Nilith für sich, doch sie würde sich hüten das zu sagen. Das wäre überaus unangemessen denn es ging sie nichts an, wofür er sich entschied. Sie ließ den Gedanken sofort wieder fallen. „Das… ich sagte ich tue es als Ausgleich für meine Taten… war eine verzweifelte Ausrede.“, gestand sie dann. „Ich dachte, es würde Euch am ehsten bewegen, mein Angebot anzunehmen. Es gibt keinen Ausgleich für etwas, das man getan hat, nicht wirklich. Ich hatte einfach gehofft, das ich Euch überzeugen kann, Euch dienen zu dürfen weil…“.
Sie stockte. Diese Begründung führte direkt in das unsichere und undurchschaubare Land ihrer eigenen Gefühle. Sie hatte von Anfang an gespürt, das etwas besonderes war an diesem noch so jungen Schwertkämpfer, und ihr Herr wohl auch, wenn auch auf eine andere, sehr viel dunklere Art und Weise. Es hatte sie dazu gebracht seinen Tod zu bedauern, die sie so viele Jahre geübt hatte nichts zu fühlen, wenn sie andere quälte und verletzte. Und es hatte sie zu ihrem ersten eigenen Wunsch gebracht: sich ihm unterordnen zu dürfen, um unter seiner Führung weiterleben zu können. Doch wie fasste sie das in Worte?
„Ich…“, begann sie nach einer kurzen Pause wieder, sichtlich Worte suchend. „In der Zeit meiner Gefangenschaft… war es sehr dunkel in mir, und auch zerrissen. Ich hatte immer wieder Albträume, ich hatte so eine Angst, dass der Lotus mich findet und ich nicht weglaufen kann, ich wusste nicht, wie es weitergehen sollte, denn ich hatte nicht damit gerechnet, das es weitergehen könnte… das einzige, was ich mit großer Gewissheit wusste war, dass ich nie wieder jemanden quälen oder töten wollte. Es wurde mir klar als ich Eurer Schwester sagte, wo die Kinder des Königs sind. In dem Moment entschied ich mich dafür und… Ihr ward der Einzige, den ich kenne, von dem ich wusste, dass er mich nicht dazu bringen wird. Ich weiß nicht wieso. Ich wusste es einfach.“. Ihr Blick senkte sich, als ihr typischer zurückhaltender Ausdruck über sie kam. Noch nie hatte sie so lange am Stück über sich selbst gesprochen und es fühlte sich fast vermessen an, aber… irgendwie auch nicht. „Ich wollte das… diese Zukunft. Aber ich hatte Angst Eurer nicht würdig zu sein…“. Das hatte sie manchmal immer noch, dachte sie für sich. Nicht eine Sekunde in ihrer Gefangenschaft hatte sie gedacht, das er sie suchen würde. Und doch hatte er es getan. Sie schaute auf. „Wie kommt es“, fragte sie, „dass es der Offizierin Alana so wichtig ist, obwohl sie keinen dieser Leute kennt, Meister Yoshu? Wie kommt es, dass Ihr so viel auf Euch genommen habt, um mich zu retten?“.
3. Februar 2026 um 16:02 Uhr #4767
AnnöSpielerAls der Meister sagte, dass es vereinbar war, lächelte Nilith ein ganz kleines Lächeln, wirkte definitiv erfreut. Sie nickte bereitwillig. Natürlich würde sie sich dem Urteil der Heiler fügen, doch still in sich hoffte sie sehr, dass diese Freigabe schon bald kam. Und das die Offizierin sie auch wirklich ansprach und brauchte. Ja, hoffentlich würde sie helfen dürfen, doch sie vertraute einfach wie so oft auf das Wort des Hauptmannes. Es war das Verlässlichste, was sie in ihren Leben je gehabt hatte.
„Danke.“, sagte sie erneut, aufrichtig, und löffelte dann tatsächlich ihren Eintopf fertig, begann danach sogar, den Rest in der Schüssel mit ein paar Stücken Brot aufzuwischen, weil sie immer noch Hunger hatte. Die Offizierin wollte unbedingt helfen, sagte der Meister. Dann war sie ein Mensch mit einem guten Herzen, dachte Nilith, und vor allem… sie zögerte einen Augenblick, aber dann sprach sie von sich aus, nahm den kleinen Raum im Gespräch wahr, welchen Yoshu ihr bot. „Wisst Ihr… man erzählt diesen Kindern ihr ganzes Leben wie anders sie sind.“, begann sie langsam, ihn teilhaben lassend an dem, was sie gerade bewegte. Ihre Miene war nachdenklicher geworden, als sie mit einem kleinen Stück Brot in der Schale wischte. „Das niemand sie will, außer der Lotus. Das… Diener wie wir… Sklaven, verachtet werden von, naja, allen die nicht Teil dieses Zwielichts sind. Als Ihr… am Anfang meinen Dienst ablehntet war ich überzeugt davon, dass das der Grund war. Das etwas verachtenswertes ist in dem, was wir sind.“.
Ihre Hand hielt inne, als sie daran zurück dachte. Sie hatte so viel Hoffnungslosigkeit gefühlt, die sie gerade so hatte in Zaum halten können. Erst als der Meister ihr doch in Aussicht gestellt hatte, dass er ihre Dienste annehmen könnte, war das anders geworden. „Als Ihr mir dann davon erzähltet, dass der König selbst sich schon einmal um die Befreiung von solchen wie mir bemüht hat… erst da habe ich verstanden, dass sie gelogen haben.“. Sie hob den Blick und sah zum Meister. „Ich denke, wenn jemand, der aus ihrer Welt kommt, ihnen davon erzählt, werden sie bereiter sein, es zu glauben, besonders die älteren Lotuskinder, die schon so lange in der Dunkelheit gelebt haben… sie werden es sicher am schwersten haben.“. Ja, dachte Nilith, davon war auszugehen. Sie kannten nichts anderes. Sie selbst, sie war mit elf verkauft worden und auch wenn ihr alter Herr ihr nicht ansatzweise so viel geboten hatte, wie es der Meister tat, so hatte er doch auch nicht die Doktrin des Lotus verstärkt. Die Leute, die sie jetzt herausgeholt hatten, waren anders. Sie kannten das Leben draußen nicht und waren sicher voller Angst.
3. Februar 2026 um 13:15 Uhr #4765
AnnöSpielerSie waren zusammen, hatten jeder ein Bett bekommen und ein Stofftier. Das zu hören machte Nilith so viel emotionaler als die Nachricht über ihre Mutter, denn sie konnte sich vorstellen, wie viel es diesen Kindern bedeutete, die noch nie ein Spielzeug gehabt hatten, keine gute Unterkunft, keine sichere Versorgung. Ihre Regung zeigte sich deutlich nach außen, ihre Züge wurden weich auf eine Art wie sie es sonst oft nur taten wenn sie sich mit Wölkchen allein wähnte, sie schluckte wieder, und diesmal schimmerten ihre Augen ein wenig, doch sie weinte nicht. Es machte sie so froh das zu hören, und als der Meister dann erwähnte das die Offizierin Alana auf sie zukommen könnte…
„Ich möchte helfen.“, platze es aus ihr heraus, ein noch viel seltener Moment von Willensstärke, bevor sie sich zu besinnen schien. „Also, wenn es Euch recht ist, Meister Yoshu, und natürlich vereinbar mit meinem Dienst für euch, aber… wenn das geht dann möchte ich gern helfen.“. Sie räusperte sich und senkte den Blick wieder etwas, ein wenig eingeschüchtert von ihrem eigenen Vorstoß. Doch er war von Herzen gekommen. Diese Kinder zu sehen das… gab Nilith auch das absurde Gefühl einem Stück ihrer eigenen Welt zu begegnen. Sie lebte jetzt in einer anderen und sie wollte auch nicht zurück aber, ja, es war trotzdem etwas vertrautes, trotz allem. Und diesen Kindern helfen zu können, das war fast, als ob sie diesem Teil ihrer selbst helfen konnte, irgendwie, ja… vielleicht war das seltsam, doch so fühlte es sich an.
3. Februar 2026 um 11:45 Uhr #4763
AnnöSpielerNilith nickte, blickte wieder auf ihre Schüssel. Hanya wusste es oder vielleicht auch nicht. Es war nicht gesagt, das es ihr etwas bedeutete. Wollte Nilith, dass es ihr etwas bedeutete? Sie konnte es nicht sagen, hatte gefühlt gar keinen inneren Zugang zu diesem Thema, das nie eine Rolle gespielt hatte in ihrem Leben. Irgendetwas bedeutete es, das spürte sie an einer Anspannung, die sie irgendwo hintergründig fühlte, aber… nein sie wusste es nicht. Und solange nicht klar war, ob es die Frau überhaupt interessierte, war es auch egal. Es lohnte sich nicht auf etwas zu hoffen, das vielleicht gar nicht existierte. Der Gedanke entspannte etwas in Nilith. Nein, noch war da gar nichts, absolut nichts. Sie musste nicht darüber nachdenken.
Sie nahm den Löffel wieder, rührte ein wenig in der Schüssel, nahm dann einen halben voll und aß tatsächlich weiter. Sie wusste nicht, was sie noch dazu sagen sollte, zu dieser Information. Und solange nicht klar war wie Hanya zu ihr stand… ja es gab nichts zu sagen. Nilith nahm noch einen Löffel, dann hielt sie wieder inne, schluckte, sah auf.
„Geht es den Kindern gut?“, fragte sie. Das beschäftigte sie tatsächlich, genauso wie noch eine andere Frage, aber diese hier war wichtiger. „Denen aus dem Pfauenschwan.“, ergänzte sie dann noch, denn der Meister konnte ja nicht ihre Gedanken lesen. Erst dann kam ihr der Gedanke, dass er vielleicht noch eine Antwort zu der Angelegenheit um ihre… die… um Hanya erwartet hatte. Aber jetzt hatte sie schon weiter geredet. Niliths Stirn runzelte sich leicht und sie legte den Löffel wieder ab, sah den Hauptmann wieder an, um besser abschätzen zu können, was er vielleicht dachte oder erwartete.
3. Februar 2026 um 11:28 Uhr #4761
AnnöSpieler„Oh.“, sagte Nilith und es regte sich etwas in ihrer Miene, Überraschung, bevor ihre Stirn sich etwas runzelte und sie den Blick nachdenklich wieder senkte. Der Name, den kannte sie… doch es dauerte einen längeren Moment, bis ein Gesicht vage vor ihr auftauchte, denn es war doch schon einige Zeit her. Mehr als ein vages Bild war es nicht, sie erinnerte sich eher an die Farben der Gewänder, und…
„Sie war die, die mir manchmal heimlich Kuchen gegeben hat.“, murmelte Nilith. Es war nicht oft passiert, denn eigentlich war das streng verboten gewesen, dass sie etwas nahm von irgendwem anderen als der Frau, die für sie zuständig gewesen war. Doch er hatte sehr gut gerochen und sie war hungrig gewesen, und diese hochgewachsene und freundliche Kurtisane hatte ihr mehrmals versichert, dass sie es erlaubte… Ja, sie war freundlich gewesen, daran erinnerte sich Nilith auch noch, denn es hatte dort nicht viele freundliche Leute gegeben. Gesprochen hatten sie aber nicht wirklich, das war nicht möglich gewesen.
Und jetzt stellte sich raus, dass es ihre Mutter war. Das Runzeln auf Niliths Stirn wurde etwas tiefer. Das… was machte sie damit? Wusste diese Frau überhaupt, wer sie war? Wie dachte sie darüber? Bedeutete das ganze überhaupt irgendwas? Nilith war sich tief unschlüssig darüber.
Nach einem weiteren längeren Schweigen sprach Nilith wieder. „Weiß sie… wer ich bin?“, fragte sie, und etwas der Maskenhaftigkeit war bereits wieder abgefallen von ihren Zügen. Sie wirkte wieder jung, definitiv unsicher, sehr unsicher, über das ganze Thema und seine Bedeutung. Sie hatte mit vielem gerechnet, aber damit kein bisschen. Sie hatte sich schon lange damit abgefunden, keine Mutter zu haben, und jetzt, jetzt war da plötzlich eine. Das der Meister recht hatte, daran zweifelte sie nicht einen Moment. Wenn er es sagte musste er sich sicher sein, und dann stimmte es, denn er log nicht.
3. Februar 2026 um 11:06 Uhr #4759
AnnöSpielerSie hatten alle mitgenommen. Ob das gut ging, fragte Nilith sich still. Mit den Älteren ja, aber die ganz jungen… sie überlegte danach zu fragen, doch der Meister wirkte, als ob er noch etwas zu sagen hätte, und so schwieg Nilith und wartete, aß noch einen Löffel des Eintopfes. Und dann sprach er weiter.
Niliths Löffel kam in der Schale zum Stillstand, als sie den Meister ansah und nachvollzog, was er gesagt hatte. Sie hatten… ihre Mutter gefunden. Ihre Mutter. Das waren fremde Worte. Nilith hatte keine Mutter. Kein Lotuskind hatte eine. „Meine Mutter?“, wiederholte sie, und in ihre Züge zeigten, das sie mit diesem Thema nicht gerechnet hatte, überhaupt gar nicht. Nicht eine Sekunde hatte sie daran gedacht. „Ihr meint… die Frau, die mich geboren hat?“, hakte sie dann verhalten nach, bekam ein Nicken.
Das Essen war erst einmal vergessen, als Nilith den Meister weiter ansah. Ihr Kopf war leer, das war sichtbar, dann blinzelte sie, senkte den Blick, wie sie es tat, wenn sie nicht wusste, wie sie reagieren sollte. Ihre Mutter. Ihre Mutter lebte, und nicht nur das. Was hatte er gesagt? Der Lotus hatte die Papiere hergegeben. Sie hatten all diese Sklaven aufgegeben? So viele? Der Hauptmann musste sie schwer getroffen haben, um sie zu so einem Zugeständnis zu bringen…
Es war viel, sehr viel auf einmal, das gerade auf Nilith einströmte, und ohne ihr Zutun verschloss sich ihre Miene etwas, als sie versuchte, ihre Gedanken zu sortieren. Ihre Mutter. Er sagte es so gewichtig. Erwartete er eine Reaktion? Ein normales Kind wäre glücklich, von seiner Mutter zu hören aber Nilith kannte sie gar nicht. Sie war eine Fremde. Oder? Sie war auch vom Pfauenschwan…
Nach einer längeren Pause, die Nilith diesmal gar nicht bemerkt hatte, räusperte sie sich und sprach wieder. „Wie heißt sie?“, fragte sie leise, den immernoch verhaltenen Blick wieder zum Hauptmann hebend.
3. Februar 2026 um 8:31 Uhr #4757
AnnöSpielerEr nahm ihren Dank an. Etwas daran erfüllte Nilith mit einem warmen Gefühl, aber sie konnte nicht so richtig darüber nachdenken, denn alles war so viel. Als er sie aufforderte sich zu erheben folgte sie auch dem, in angemessenem Tempo. Sie setzte sich erst auf, suchte dann doch etwas Halt am Tisch und stand wieder auf. Einen kurzen Moment zögerte sie, als er ihr anbot, noch zu bleiben. Sie hätte gern das er noch blieb. Aber dann konnte er nicht schlafen. Wäre das egoistisch? Ja, schon, aber wenn sie ihre Bitte richtig bemaß… „Wenn… Ihr noch ein wenig bleiben könntet wäre das schön.“, murmelte sie also, bekam dafür den freundlichen Blick, den er ihr stets gab, und das beruhigte sie genug um sich setzen zu können und den Löffel in die Hand zu nehmen.
Sie begann zu essen, langsam, damit ihr nicht schlecht wurde. Das war gar nicht so leicht, denn sie hatte wirklich Hunger und es schmeckte hervorragend. Doch sie kannte sich gut genug um zu wissen, dass der Eintopf gleich wieder herauskommen würde wenn sie jetzt schlang, also beherrschte sie sich. Wieder vergingen einige Momente in Schweigen, und trotz der Unvertrautheit der Situation – wann hatte sie jemals mit einem Herren in der Küche gesessen und er hatte ihr beim Essen gesellschaft geleistet?! – fühlte sie gerade keine Anspannung darüber.
Die Schüssel war vielleicht zu einem Drittel leer, als ihr Kopf wieder etwas anderes tun konnte als sich mit dem Essen zu beschäftigen, und sie vollzog erneut nach, was eben geasgt und offenbart worden war. Und dabei blieb sie an etwas hängen, dass der Meister gesagt hatte. Sie blinzelte, schaute dann zu ihm und sprach, nachdem sie geschluckt hatte. „Meister Yoshu, sagt, habe ich das vorhin richtig verstanden… Ihr habt… den Pfauenschwan zerstört?“. Das kam jetzt gerade erst richtig bei ihr an. „Was… was ist mit den Kindern und Kurtisanen dort?“.
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